die eigene dunkelkammer

Analoge Fotografie – Eine eigene Dunkelkammer einrichten

Neben der ganzen neuen Foto-Technik, die es heute gibt, könnte man vermuten, dass Analogfotografie zu einem Relikt aus alten Zeiten geworden und ein ähnlich trauriges Schicksal auf dem Friedhof der Vergessenheiten damaliger Innovationen gefunden hat, wie beispielsweise Videokassetten, CDs und Schallplatten. Aber gerade der letzte Posten lässt aufhorchen und vermuten: Dem ist nicht so! Nostalgie und Hipstertum sei Dank!

Aber analoge Bilder bezaubern nicht nur durch ihren Retro-Charme, sie bieten auch einen ganz anderen Zugang zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines Bildes als es auf digitalem Wege möglich ist. Mit den Einstellungen einer Analogkamera müsst ihr euch viel intensiver auseinandersetzen als mit den automatischen Voreinstellungen eines digitalen Fotoapparates oder gar den Filtern einer Handykamera. Der Bildausschnitt ist ein ganz anderer und die fertigen Fotos müssen erst entwickelt werden statt einfach aus einem umfangreichen, digitalen Fundus ausgewählt werden zu können. In einer Dunkelkammer könnt ihr Bildern quasi dabei zusehen, wie sie wortwörtlich das Licht der Welt erblicken. Aber was geht in so einer Dunkelkammer eigentlich vor sich? Kann man sich selbst eine bauen? Und was muss man dabei beachten?

Aus: Analog fotografieren und entwickeln (von Marc Stache). S. 90

Der geeignete Raum:

  • lässt sich komplett lichtdicht abdunkeln
  • kann permanent als Labor genutzt werden, ohne dass man nach jeder Session wieder alles abbauen muss
  • lässt sich bei Bedarf mit frischer Luft belüften
  • hat einen Stromanschluss
  • ist im Sommer nicht zu heiß und im Winter nicht zu kühl
  • verfügt über kaltes und warmes fließendes Wasser
  • hat einen unempfindlichen und pflegeleichten Fußboden

Ein Raum, der alle diese Anforderungen gleichermaßen erfüllt, ist aber, insbesondere wenn man die analoge Fotografie nur als Hobby betreibt, nicht so leicht zu finden, daher heißt das Zauberwort in der Regel Improvisation. Der absolute Klassiker unter den Heimdunkelkammern ist und bleibt aber wohl: das Badezimmer.

Die richtige Raumaufteilung und Einrichtung

Für die Möblierung einer Dunkelkammer benötigt ihr als elementare Grundausstattung wenigstens einen möglichst soliden Tisch oder eine Arbeitsplatte für den Vergrößerer und eine Fläche zum Abstellen der Laborschalen. Die Raumaufteilung ist immer auch von den vor Ort herrschenden Möglichkeiten beschränkt. Idealerweise solltet ihr euer Labor in einen Nass- und einen Trockenbereich unterteilen.

Was gehört in den Nassbereich?

  • Entwicklungsschalen mit Chemie
  • Filmentwicklung
  • alle weiteren Arbeiten mit Chemie
  • Lagerung von Fotochemie
  • Wässerung von Papier und Film

Wofür ist der Trockenbereich?

Der Trockenbereich ist für alle feuchtigkeitsempfindlichen Gegenstände und Tätigkeiten, bei denen Verunreinigungen durch Flüssigkeitsspritzer zu Problemen führen könnten:

  • Standort des Vergrößerers
  • Einspulen von Filmen in die Filmdosen
  • Lagerung von Fotopapier
  • Einlegen von Filmen in die Bildbühne
  • Negativbeurteilung auf dem Leuchttisch

Welche Dunkelkammerlampen sind die besten?

Als Dunkelkammerlampen sind einfache mit einer rot gefärbten Schutzschicht versehene Glühbirnen erhältlich, die in eine bestehende Lampenfassung eingeschraubt werden, sowie komplette Lampen mit Schalter und austauschbaren Birnen, die von einem Filtergehäuse umgeben werden. Diese Lampen sind zwar bei Erstanschaffung etwas teurer, aber die günstigen Ersatzbirnen relativieren dies mit der Zeit. Einfache rote Partylampen aus dem Baumarkt funktionieren übrigens nicht, da diese viel zu hell sind und die Beschichtung nicht das Rot in der richtigen Wellenlänge erzeugt.

Mach den Schleiertest!

Nein, das hat nichts mit einer Braut zu tun. Bei diesem Test geht es darum, zu erkennen, ob ihr eure Dunkelkammer richtig abgedunkelt habt. So ein Test sollte nach dem Erstbezug eurer Dunkelkammer, nach einem Wechsel der Verdunkelung oder der Dunkelkammerbeleuchtung immer durchgeführt werden. Dass etwas mit der Beleuchtung nicht stimmen kann und ein Test nötig ist, erkennt ihr daran, dass die entwickelten Bilder flau wirken. Die Fotos bekommen dann zwar eine tiefe Schwärze, aber keine strahlend weißen Lichter, auch nicht an den unbelichteten Papierrändern.

Wichtige Utensilien für eure Dunkelkammer

  • Der Vergrößerer ist gewissermaßen eine Art Projektor, mit dem man das Negativbild seines Films auf das Schwarz-Weiß-Papier projiziert, es dadurch belichtet und so nach der Entwicklung letztendlich ein positives Papierbild erhält. Es gibt Vergrößerer, die ausschließlich für Kleinbildfilm geeignet sind, und Geräte für Mittelformat und Großformat, die sich aber mit entsprechendem Zubehör immer auch für die kleineren Formate nutzen lassen.
Aus: Analog fotografieren und entwickeln (von Marc Stache). S. 102
  • Die Bildbühne ist eine aus dem Vergrößererkopf herausnehmbare Halterung, in die das Negativ eingelegt wird. Es gibt für jedes Filmformat, das mit dem jeweiligen Vergrößerer verwendbar ist, der Größe angepasste Bildbühnen. In einer größeren Bühne, insbesondere mit Glasflächen, lassen sich auch die kleineren Formate einlegen. Zur Maskierung der überschüssigen Ränder haben viele Bildbühnen einschiebbare Maskenbänder.
  • Ein nicht unwesentliches Glied in der Kette von der Aufnahme zum perfekten Abzug ist ein hochwertiges Vergrößerungsobjektiv. Die leistungsfähigsten Objektive bekommt ihr zum Beispiel von Schneider Kreuznach und Rodenstock.
Aus: Analog fotografieren und entwickeln (von Marc Stache). S. 106

Weitere, wichtige Laborgeräte und Hilfsmittel

Die folgende Liste führt ein paar weitere Geräte und Hilfsmittel für das Fotolabor auf, die teilweise zu den Basics gehören sollten, aber in einigen Fällen einfach große Vereinfachung und Erleichterung bei der Arbeit bieten können.

  • Laborschalen
  • Papierzangen
  • Thermometer
  • Maskenrahmen
  • Kontaktrahmen
  • Laborstoppuhr
  • Kornscharfsteller
  • Leuchtpult
  • Negativlupe
  • Papiertresor
  • PE-Trockner
  • Papierschneidemaschine
  • Geodreieck
  • Abwedler
  • Nachbelichter
  • Wasserfilter
  • Trichter
  • Aufbewahrungsflaschen
  • Messbecher

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Analog fotografieren und entwickeln“ von Marc Stache. Alle Infos zum Buch, das Inhaltsverzeichnis und eine kostenlose Leseprobe findet ihr bei uns im Shop.

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